In dem 2007 erschienenen Essay „Apropos Partituren” hat Rebecca Groves, ehemalige Geschäftsführerin der US-amerikanischen Forsythe Foundation, William Forsythes Ansatz „zur Schaffung einer neuen Art von ‚Tanzliteratur‘ für eine breite und interaktive Leserschaft“ vorgestellt. (1)
Mit Motion Bank wird dieser Ansatz verwirklicht. Die großzügige Unterstützung des Projekts ermöglicht es, digitale Online-Partituren in Zusammenarbeit mit Gastchoreographen zu erstellen und diese im Internet zu veröffentlichen (siehe Partituren) sowie sich an Ausbildung und Forschung im Bereich der Entwicklung von Partituren zu beteiligen.
Die im Rahmen von Motion Bank geleistete Arbeit an digitalen Online-Partituren positioniert sich innerhalb eines wachsenden Umfelds verwandter Initiativen, in denen es darum geht, zwischen choreographischen Ideen und Prozessen und einem breit gefächerten Publikum neuartige, produktive Formen des Austauschs herzustellen. Dazu gehört auch eine wachsende Zahl von Initiativen, die Künstler ins Leben gerufen haben, um gestalterische Strategien und Lehrmethoden zu veröffentlichen und anderen zugänglich zu machen.
Aus den Fragen heraus, die sich die Künstler selbst stellen, entsteht im Ergebnis und unter Nutzung von Text, bewegtem Bild und offenen digitalen Tools oder Plattformen eine neuartige Sammlung heterogener Ressourcen, die oft auch in Zusammenarbeit mit Forschern, Editoren und Designern entwickelt werden.
Hierzu gehört etwa die CD ROM Improvisation Technologies von William Forsythe, das Projekt Capturing Intention von Emio Greco | PC, die DVD-ROM Material for the Spine von Steve Paxton, das Forschungsprojekt Siobhan Davies Replay sowie das Motion Bank-Pilotprojekt Synchronous Objects. (Weitere Titel und Links siehe Ressourcen)
Wenn derartige Ressourcen, die aus der künstlerischen Praxis entstehen, veröffentlicht sind, können sie für weitere Studien herangezogen und von anderen Künstlern geprüft und eingesetzt werden. Auf diese Weise stärken sie die Kunstform Tanz, tragen zu ihrer Erhaltung bei, geben der Tanzausbildung Impulse, wirken an der Veränderung des disziplinären Wissens mit, verbinden sich mit der Entstehung einer digitalen Kultur und bieten dem Publikum neue Formen des Zugangs zum Tanz.
(1) Rebecca Groves, Norah Zuniga Shaw und Scott deLahunta: Apropos Partituren: William Forsythes Vision einer neuen Art von „Tanzliteratur“. In: Sabine Gehm (et al.): Wissen in Bewegung. Perspektiven der künstlerischen und wissenschaftlichen Forschung im Tanz. Bielefeld, Transcript Verlag 2007, S. 91-101, S. 91.






