Vom 26. bis 30. April im The Frankfurt LAB.
DANCE & DATA: MIXING SCORES, SENSES, TOOLS AND REFLECTION
Der erste Workshop unter dem Titel „ Dance & Data: mixing scores, senses, tools and reflection“ von Motion Bank findet vom 26.-30. April 2011 im Frankfurt LAB statt.
Unserer Einladung folgten mehrere Choreografen, sowie Tanz- und Softwareanwender, die in Workshops und Diskussionen Einblicke in ihre neusten Aktivitäten gewähren.
Das Theaterkollektiv Badco. aus Zagreb präsentieren ihre Whatever Dance Toolbox, die französische Choreografin Myriam Gourfink arbeitet mit der Wahrnehmung des Körpers und Labanotations, der Videokünstler Philip Bußmann redet über Video als Dokumentationsmittel, und Petra Sabisch und Ana Vujanović verbinden Theorie und Praxis im Kontext ihrer Plattform Everybodys.
Außerdem ist der renommierte Hirnforscher Dr. Wolf Singer zu einem interdisziplinären Gespräch in unseren Salon Donnerstags Abend eingeladen.
Hier finden sie eine Übersicht über die Zeiten der Workshops. Detaillierte Informationen zu den Terminen stehen unter den jeweiligen Beschreibungen. Die Biografien befinden sich am Ende der Seite.
Die Teilnahmegebühr für alle Workshops (außer Petra Sabisch und Ana Vujanović) beträgt 85€ / ermäßigt 65€ (Studenten). Bei der Teilnahme an zwei Workshops: 120€ /ermäßigt 100€ (Studenten). Freier Eintritt zum Salon am Donnerstagabend.
Anmeldung unter: motionbank -at- theforsythecompany.de
Weitere Informationen erhalten sie unter: workshop-moba -at- theforsythecompany.de (Célestine Hennermann)
Informationen zum Workshop erhalten sie unter: Stefan.Hoelscher -at- theater.uni-giessen.de (Stefan Hölscher)
Everybodys and Walking Theory propose / modes of production: games & discussions
Die Vorgehensweise des Workshops ergibt sich aus der Begegnung zwischen den Plattformen Everybodys und Walking Theory, in der versucht wird, Theorie aus künstlerischer Arbeit zu entwickeln. Wir werden die Nutzung von Spiel und Diskussion als Produktionsweise und als Weg der Vermittlung im Tanz und in den zeitgenössischen Darstellenden Künsten erforschen. Wir werden praktische Ansätze ausprobieren und sie analysieren, problematisieren und systematisieren, um über die Erfindung neuer Formen des Probierens und/oder Produzierens zu reflektieren. Daher lädt der Workshop Künstler, Choreographen, Theoretiker, Performer, kurz gesagt Praktiker aus dem Kulturbereich ein.
Zeitplan:
Sonntag, 24 April: 15-18h
Montag, 25. April: 11-17h30
Dienstag, 26 April: 11-17h30
Mitwoch, 27 April: 11-17h30
Donnerstag, 28 April: 11-13h
In Zusammenarbeit mit Institut für angewandte Theaterwissenschaften von der Justus-Liebig-Universität und The Forsythe Company/Motion Bank.
Whatever Dance Toolbox
Whatever Dance Toolbox ist das Produkt einer langjährigen, forschungsorientierten Zusammenarbeit zwischen BADco. und dem deutschen Mensch-Maschine-Interface-Entwickler und Künstler Daniel Turing, bei der es um die Interaktion zwischen Computer und Tänzer geht. WDT ist ein frei zugängliches Softwarepaket aus Tools, mit deren Hilfe Choreographie hervorgebracht, analysiert, entwickelt und geprobt werden kann. Einfach ausgedrückt verwenden die Tools verschiedene Arten visueller Analyse wie Verzögerung, Rückwärtswiedergabe, Jitter und Zeitlupenfunktionen zusammen mit einer Langbelichtungsfunktion, sodass Tänzer und Choreographen ihre Bewegungsentscheidungen und -beziehungen studieren, verfeinern und bereichern können.
Gewöhnung an die Arbeit in einem technologisch bestimmten Umfeld, ein Begriff von der “Sicht” der Maschine auf Raum und Bewegung, Arbeit mit geteilter Aufmerksamkeit, Annäherung an Improvisation mit Mitteln der Montage, das Erlernen der Anwendung von Technologie bei der Analyse von Tanz und bei der Herstellung von Veränderungen in der Qualität der Bewegung, die Neuerfindung der Qualität von Beziehungen zu anderen Körpern im Raum – all das gehört zu den Erfahrungen, die jeder Teilnehmer bei der Anwendung von WDT machen wird.
Obwohl wir die Software in erster Linie zur Analyse von Tanz entwickelt haben, ist sie auch für Personen interessant, die keine Tänzer sind, da sie Tanz nicht nur als Ausdruck des Tänzer-Ichs oder als selbstbezügliches choreographisches Objekt begreift, sondern Beziehungsaspekte und prozessuales Denken bei der Gestaltung von Tanz beleuchtet.
In diesem dreitägigen Workshop geben Tomislav Medak und Nikolina Pristaš eine Einführung in die technischen und praktischen Aspekte der Arbeit mit WDT, erläutern grundlegende Konzepte, die wir aus der Arbeit mit der Software abgeleitet haben und gehen mit den Teilnehmern eine Reihe praktischer Aufgabenstellungen durch.
Zeitplan:
Dienstag, 26. April: 11-17h30
Mittwoch, 27. April: 11-17h30
Donnerstag, 28. April: 11-13h
On choreographic organisation
Ein offenes Gespräch über Modelle der Neurowissenschaft, die Aufschluss über die Kreation von Performance und Choreografie geben. Gastgeber Scott deLahunta verknüpft dieses Gespräch mit „Dance Engaging Science“, den interdisziplinären Forschungstreffen.
Zeitplan:
Donnerstag, 28. April: 19h
Technology and Technique: Documenting Dance
Die Videokamera gehört seit über zehn Jahren zum Handwerkszeug von Theaterprofis, wenn es darum geht, Proben und Vorstellungen aufzuzeichnen. Improvisationen werden gefilmt, Durchläufe analysiert und bearbeitet, Aufführungen zu Archivzwecken dokumentiert.
Der Videokünstler Philip Bussmann gestaltet seit Mitte der neunziger Jahre Video für die Bühne und Filme über Tanz. In diesem Workshop werden seine Arbeiten und Arbeiten anderer Künstler genutzt, um die Möglichkeiten, Schwächen und Herausforderungen zu untersuchen, mit denen man konfrontiert ist, wenn man Tanz mit „traditionellen“, nicht-interaktiven Videotechnologien und -techniken dokumentiert und diese Dokumentationen zu eigenständigen künstlerischen Werken macht. Schwerpunkte sind die Frage nach der Wiederherstellung der originalen Energie einer Tanzvorstellung im Film und die Herausforderung, vor der man steht, wenn man die Wirkung einer Live-Performance auf das Publikum mithilfe eines Videoscreens nachvollziehen will.
Zeitplan:
Donnerstag, 28. April: 14-17h30
Freitag, 29. April: 11-17h30
Samstag, 30. April: 11-17h30
language
Myriam Gourfink wird die die Verbindung zwischen Gewicht, Atem und Notation untersuchen. Beide Faktoren stellen die Frage nach den Pre-Movements, unseren verborgensten und tiefsten motorischen Ressourcen. Die ständige Interaktion dieser Daten (Gewicht/Atem) verursacht eine Art allgemeines „Sweeping“, und zwar gleichermaßen im Körper wie im ihn umgebenden Raum. Die Qualität der Konzentration, die aus dem Bewusstsein von jeder seelischen und körperlichen Bewegung herrührt, der persönliche innere Aufruhr des Performers und der Moment an sich – all dem möchte sich Myriam Gourfink nähern, indem sie eine Sprache formalisiert, die auf der Labanotation beruht.
Zeitplan:
Donnerstag, 28. April: 14-17h30
Freitag, 29. April: 11-17h30
Samstag, 30. April: 11-17h30
BIOGRAPHIEN (in alphabetischer Reihenfolge):
BADco. ist ein in Zagreb ansässiges Theaterkollektiv. Das Kollektiv, in dem ein Interesse an Choreographie, Dramaturgie und Philosophie zusammenfließt, besteht heute aus Pravdan Devlahović, Ivana Ivković, Ana Kreitmeyer, Tomislav Medak, Goran Sergej Pristaš, Nikolina Pristaš, Lovro Rumiha and Zrinka Užbinec. Seit der Gründung im Jahr 2000 hat sich BADco. systematisch auf die Theater- und Tanzaufführung als Problemfeld konzentriert – und die etablierten Formen des Aufführens, der Repräsentation und des Zuschauens infrage gestellt. Das Kollektiv betrachtet den theatralischen Akt als instabilen Kommunikationsaustausch, als komplexes Imaginäres, das den Zuschauer auffordert, hinter die homogenisierende Medienrealität zu blicken und die Freiheit des Zuschauens zurückzuverlangen. BADco. ist zur Biennale von Venedig 2011 eingeladen.
Nikolina Pristaš ist Choreographin, Tänzerin und Performerin und eine der Mitbegründerinnen von BADco.Tomislav Medak beschäftigt sich als Philosoph mit Konstellationen der zeitgenössischen politischen Philosophie, Medientheorie und Ästhetik. Er koordiniert das Theorieprogramm und die Veröffentlichungen des Multimedia Institute/MAMA (Zagreb, Kroatien) Außerdem ist er ein Verfechter frei zugänglicher Software und freier Kultur.http://badco.hr/
Philip Bussmann ist Videokünstler und Bühnenbildner. Der gebürtige Deutsche gestaltet seit 1995 das Bühnenvideo für internationale Tanz-, Theater- und Opernproduktionen. Er begann seine Laufbahn in New York City bei der Wooster Group, wo er das Video für House/Lights und To You, the Birdie gestaltete. An der Staatsoper Stuttgart kreierte er das Video für Die Zauberflöte unter der Regie von Peter Konwitschny und Tristan und Isolde unter der Regie von Luk Perceval. Er arbeitet kontinuierlich mit William Forsythe zusammen, unter anderem bei Kammer/Kammer, Decreation und You Made Me a Monster. In jüngerer Zeit gestaltete er das Bühnenvideo für Lost Highway an der English National Opera in London sowie Video, Bühne und Licht für die Produktion Il Mondo della Luna der Gotham Chamber Opera im Hayden Planetarium in New York City, beides unter der Regie von Diane Paulus, und die Bühne für Falling Man am Thalia Theater Hamburg unter der Regie von Sandra Strunz. Außerdem arbeitet er an Tanz-, Performance- und Videoprojekten mit seiner eigenen Company 2+. http://www.philipbussmann.com
Mit Containdre (2004), This is My House (2005) und Les temps Tiraillés aus jüngerer Zeit hat Myriam Gourfink ein anspruchsvolles und persönliches choreografisches Werk hervorgebracht, in dem sie auf eine genaue, von Rudolf Laban inspirierte Art des Schreibens zurückgreift (Laban erarbeitete zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts eine als “Labanotation” bekannte Theorie über die Aufzeichnung von Bewegung). Myriam Gourfinks Herangehensweise beruht auf Yoga und Atemtechnik und schreibt den lebendigen Prozess in eine geradezu hypnotisch verlangsamte Raum-Zeit ein, die sich einer von Tempo und Zapping beherrschten Kultur widersetzt. Die Choreographin arbeitet eng mit dem Komponisten Kasper T. Toeplitz zusammen, der Klangräume in Echtzeit konstruiert, und auch mit Informatikern, denn sowohl die Tänzer als auch die digitale Technik tragen zur Untersuchung von Mikrobewegungen in intensiver Synergie von Geist und Körper bei. Diese Forschungsarbeit ist als Einladung an Performer gedacht, Tanz über eine frei zugängliche Partitur gemeinsam mit der Choreografin zu entwickeln.http://www.myriam-gourfink.com
Petra Sabisch ist Choreographin und Philosophin. Neben ihren eigenen choreographischen Arbeiten (zuletzt method, unplugged, Berlin 2010 sowie conversation piece, Berlin 2008) und der Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstlern in Paris und Berlin (A. Baehr, J. Bel, A. Chauchat, F. Gies, M. Ingvartsen und anderen) erlangte sie 2010 den Doctor of Philosophy (London) mit ihrer Dissertation Choreographing Relations: Practical Philosophy and Contemporary Choreography in the works of Antonia Baehr, Gilles Deleuze, Juan Dominguez, Félix Guattari, Xavier Le Roy and Eszter Salamon (München, epodium 2010). Seit 2005 arbeitet Petra Sabisch an der Anwendung von Open-Source-Strategien in den Darstellenden Künsten im Rahmen der Internet-Plattform Everybodys (www.everybodystoolbox.net) sowie an der Entwicklung des Performing Arts Forum PAF (Frankreich) mit. Petra Sabisch hat international veröffentlicht und lehrt unter anderem an der University of Dance & Circus in Stockholm, der Universität Gießen und dem Hochschulübergreifenden Zentrum für Tanz in Berlin. (http://www.verandaproduction.net).
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolf Singer studierte Medizin in München und Paris, wurde an der Ludwig-Maximilians-Universität München zum Dr. med. promoviert und habilitierte sich an der Technischen Universität München. Seit 1981 ist er Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt am Main. 2004 war er Gründungsdirektor des Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS), und im Juli 2008 initiierte er die Gründung des Ernst Strüngmann Instituts für Hirnforschung (ESI). Ein Artikel über Prof. Dr. Singer auf der Website des Goethe-Instituts.
Ana Vujanović (geboren 1975 in Belgrad) arbeitet– als Theoretikerin, Autorin, Dozentin, Organisatorin und Dramaturgin – in Belgrad frei innerhalb der zeitgenössischen Darstellenden Künste und der Kultur. Sie lebt in Berlin, Belgrad und Paris. Ph.D. in Theaterwissenschaft. Redakteurin von TkH, journal for performing arts theory und Mitglied des Arbeitskreises TkH, Plattform für die Theorie und Praxis der Darstellenden Künste, Belgrad ( www.tkh-generator.net). Seit 2010 ansässig in Paris, Arbeit an Les laboratories d’Aubervilliers (www.leslaboratoires.org). Dozentin für das interdisziplinäre Postgraduiertenstudium an der Kunsthochschule in Belgrad. In vielen Kunstformen engagiert: Performance, Theater, Tanz, Video (als Koautorin, Dramaturgin, Performerin). Organisiert und/oder hält Vorlesungen und Workshops auf Symposien, Kongressen und Festivals. Ihr besonderer Einsatz gilt der Unterstützung der freien Szene in Belgrad (Other Scene), Ex-Jugoslawien (Clubture, The FaMa) und Europa (PAF). Publiziert regelmäßig in Fachzeitschriften und Anthologien. Autorin der Bücher Destroying Performance Signifiers, An Introduction to Performance Studies zusammen mit A. Jovićević, sowie DOXICID.





